Anfrage zur Finanzierung im Gesundheitswesen


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Geschrieben von Harry Burkhardt am 26. Juli 2002 19:57:25:

Sehr geehrter Herr Dr. Kunze,
Der Runde Tisch verabschiedete auf seiner 4. Sitzung am 22. April 2002 Empfehlungen zum elektronischen Handel einschließlich Versandhandel mit Arzneimitteln.

Sie bewerben sich für die FDP um ein Bundestagsmandat. Als Apotheker in Rochlitz würde ich gern von Ihnen wissen, was Sie von diesen Plänen halten.

Die von den Befürwortern des Arzneimittel-Versandhandels prognostizierte Kosteneinsparung lässt sich nicht belegen. Gleichzeitig wäre die wohnortnahe, schnelle Versorgung mit Arzneimitteln rund um die Uhr nicht mehr zu gewährleisten.

- Der Kontrahierungszwang zur Belieferung einer ärztlichen Verordnung würde voraussichtlich entfallen.
- Apotheken können nicht mehr verpflichtet werden, Arzneimittel abzugeben, deren Preis betriebswirtschaftlich nicht gedeckt ist.
- Die Vorratshaltung in Apotheken und die Lieferfähigkeit des pharmazeutischen Großhandels würden sich an der Lieferfähigkeit der Versandanbieter orientieren. Die Verfügbarkeit rezeptpflichtiger Arzneimittel könnte sich auf 96 Stunden ausdehnen.
- Die Dienstbereitschaft im Nacht/Notdienst wäre gefährdet.
- Deutsche Zulassungsvorschriften für Arzneimittel würden Makulatur werden.
- Kennzeichnung und Gebrauchsinformationen brauchten nicht mehr am AMG zu entsprechen und nicht mehr in deutscher Sprache verfügbar sein!
- Die AMG-Gefährdungshaftung, eingeführt nach dem Contergan-Fall, könnte umgangen werden, indem Hersteller vorwiegend aus dem Ausland versenden lassen, um Haftungsrisiken und Versicherungsprämien auszuweichen.
- Das deutsche Stufenplanverfahren für Arzneimittel-Zwischenfälle kann ausländische Anbieter nicht verpflichten!

Die Einführung des Versandhandels würde aber auch zu tiefgreifenden Veränderungen in der Struktur der Apotheke führen. Die ca. 1000 mittelständischen Apotheken mit ihren über 5000 Arbeitsplätzen in Sachsen wären mittelfristig in ihrer Existenz gefährdet.

Über eine Antwort zu diesem für mich wichtigen Problem würde ich mich sehr freuen.

Mit freundlichen Grüßen

H.Burkhardt
Apotheker




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